Religion im Irak
Im Irak bekennen sich die meisten Menschen zum Islam. Aus diesem Grund stimmen die staatlichen Feiertage weitest gehend mit den muslimischen Feiertagen überein. Obwohl der Islam Staatsreligion ist, herrscht laut Verfassung freie Religionswahl. Damit soll den alt eingesessenen Religionsgemeinschaften Rechenschaft getragen und eine Zwangsmissionierung zum Islam verhindert werden.
Gut 60 Prozent der Iraker werden zu den Sunniten gezählt. Aus ihren Reihen kommen der Präsident und die meisten islamischen Parteien.
Im Süden leben die Schiiten, die gut 35 Prozent darstellen. Diese zweite Hauptströmung des Islam hat gute Verbindungen in den Iran. Hier wird der Islam oft strenger ausgelegt als bei den Sunniten. Da die beiden Strömungen einige Streitpunkte haben, werden empfindliche Themen nicht nur in den Moscheen und in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Politik diskutiert.
Im Norden des Landes leben die Kurden. Unter ihnen findet sich mit den Jesiden eine sehr alte Religion, die stark den Zoroastern ähnelt. Die Jesidenpartei ist im Parlament vertreten.
Eine kleine Minderheit sind Christen. Von der Vielfalt der christlichen Kirchen sind nur wenige Gemeinschaften übriggeblieben. Nach dem Sturz Saddam Husseins flohen viele Christen. Die armenische und einige orthodoxen Kirchen haben ihren Ursprung im Irak und sind älter als der Islam.
Juden sind aus dem Irak fast völlig verschwunden. Das liegt einerseits daran, dass viele Juden ab 1948 in den neu gegründeten Staat Israel ausgewandert, anderseits von Moslems vertreiben worden sind.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand der neue Nationalstaat Irak im Islam eine religiöse Heimat. Das liegt auch an den Heiligtümern, die jedes Jahr von Tausenden Gläubigen aufgesucht werden. Die jüdischen, christlichen und jesidischen Gemeinden erhielten ihren Platz im Staat.
Unter Saddam Hussein verschärften sich allmählich die religiösen Spannungen. Denn die Bevölkerug setzte sich bewusst mit religiösen Traditionen gegen die Diktatur ab.
Mit dem Sturz Saddam Husseins begann für die “Kollaborateere” des Diktator die Verfolgung. Allerdings wurde ihre Konfession auch zum Anlasse genommen, gewaltsam gegen die entsprechende Religionsgemeinschaft vorzugehen. So wurden christlichen Minister Saddam Husseins regelrecht gehetzt.
Fanatiker zerstören heute mit ihren Bombenanschlägen das friedliche Zusammenleben der Religionsgemeinschaften im Islam.
Verwunderlich ist, dass trotz der strengen Religionen mittlerweile Schönheitschirurgien im Irak nicht mehr nur bei Kriegsverletzungen angewandt werden. Obwohl für Frauen ein Schleierzwang besteht, lassen immer mehr Frauen eine Nasenkorrektur, Brustvergrößerung oder Fettabsaugung an sich durchführen. Zwar wird dies von den religiösen Oberhäuptern nicht völlig abgelehnt, dennoch müssen die durchführenden Ärzte sich an islamische Gesetze halten. Theoretisch wäre so eine Operation gar nicht möglich, da die Ärzte ihren Blick danach nicht auf den weiblichen Körper richten dürften.
Unter den ständigen Glaubenskriegen leidet vorallem die Bevölkerung Iraks. Da dadurch immerwieder die Nahrungsversorgung gestört wird, ist die Ernährung hier häufig mehr als mangelhaft. So sind hier ca. ein Drittel der Kinder Unterernährt und täglich sterben um die 250 Menschen aufgrund der schlechten Versorgung.